Meclis (Bouleuterion)




Das Bouleuterion steht in der Nähe einer vermuteten Agora im antiken Teil der Stadt Patara. Schon dieser Standort, an einem Mittelpunkt des politischen und gesellschaftlichen Lebens lässt den hohen Stellenwert des Bauwerkes erkennen. Das Gebäude befindet sich gegenüber einem Theater. Sein allgemeiner baulicher Zustand ist für ein mehrere tausend Jahre altes Gebäude relativ gut. Das liegt sicher daran, dass der Sand, der es Jahrhunderte lang bedeckte, ein gutes Konservierungsmittel war.


Das Bouleuterion wurde auf einem Baugrund aus zum Teil weichem Kalkfels errichtet. Als Baumaterial wurde einheimischer Kalkstein verwendet. Es liegt ein uneinheitliches Bodenniveau vor, das in Ost-Westrichtung um ca. 39 cm differiert. Dabei wurde ein Ausgleich dieses Höhenunterschieds bis zu 12 cm durch die Anpassung der ersten zwei Steinschichten gemessen. Das spricht dafür, dass der Höhenunterschied des Fundamentes durch Ungenauigkeiten bei seiner Herstellung entstanden ist.

Der Bau erreichte als Rechteckbau mit großer Konche an der Westseite maximale Maße von 42,80 m in der Breite und 30,60 m in der Tiefe von der Vorderfront bis zur Mitte der Konche. Die Rechteckschmalseite im Norden misst 24,48 m. Das noch aufrecht stehende Mauerwerk der Nordwestecke ist die höchste Erhebung und der am besten erhaltene Teil des Bouleuterions. Ausgehend von dieser Wand betrug die Höhe des Gebäudes vom Fundament bis zum Dach ca. 17 m.

Der Grundriss besteht aus einem Rechteck, in das eine hufeisenförmige cavea integriert ist. Diese Kombination stellt ein Problem des Entwurfs antiker Bouleuterien dar. Das wird hier dadurch gelöst, dass eine Langseite des Rechtecks vom Rund der cavea durchstoßen wird. Die Längsachse des Bouleuterions folgt der Nord- und Südrichtung und die Konche mit ihren Sitzreihen befindet sich an der Westseite. Das Bühnengebäude liegt gegenüber an der Ostseite. Die orchestra bildet den Mittelpunkt des Gebäudes. Die Hauptzugänge befinden sich auf der Nord- und Südseite. Darüber hinaus gibt es an der Ostseite, in den jeweiligen Randbereichen, kleinere Eingänge. Da noch Überreste von Bogenwiderlagern an den beiden Enden der Ostmauer vorhanden sind, liegt die Vermutung nahe, dass sich zur Agora hin eine Stoa öffnete. Die dem Bouleuterion zugewandte Seite des Bühnengebäudes des Theaters hat mit großer Sicherheit eine Schaufassade besessen. Die Südwand des Bouleuterions antwortete darauf durch reichere Gestaltung seiner Außenseite. Diese Annahme basiert auf dem Vorhandensein von reich profilierten Türöffnungen an der Südseite des Bouleuterions.

Das Mauerwerk des Gebäudes besteht auf mindestens 5 Abschnitten aus orthogonal geschnittenen Kalksteinblöcken. Die Quadern in zweischaliger Ausführung bilden eine lykische Variation des emplektons. Die geringen Wanddicken ließen auf Unterscheidung von Bindern und diatonoi verzichten. Es sind mehrere Läuferschichten übereinander geordnet, die dann von einer Binderschicht oder einem Binder stabilisiert werden. Da so viele Läuferblöcke anfallen, die nur auf den Lager- und Stirnseiten bearbeitet werden mussten, konnte schnell und preiswert gebaut werden, aber leider nicht so stabil wie bei einem Verband von Binder- und Läuferschichten. Verklammerungen wurden nicht festgestellt.

Der Grundriss der hellenistischen Bouleuterien bildet in der Regel ein Rechteck, in das die U-förmige cavea eingefügt ist. Das Bouleuterion von Milet mit rechteckigem Grundriss und halbrunder cavea war bisher die einzige bekannte Ausnahme. Das durch die neuen Grabungen bekannt gewordene Bouleuterion von Patara lässt sich nun diesem Typus anschließen. Die Besonderheit dieses Baues liegt darin, dass hier die halbrunde cavea an einer Langseite aus dem rechteckigen Baukörper als Konche herausragt. Diese Gestalt entspricht bereits der ursprünglichen Planung des Gebäudes. Während des Umbaus zum Odeion wurde die Konche erweitert, so dass sie heute bis zu den Aussenmauern reicht. Die schlecht nutzbaren Raumzwickel, die sich beim Einbau einer cavea in einen rechteckigen Grundriss ergeben, wurden im Zuge dieser Maßnahme verkleinert. Als weitere Besonderheit zeigt das Bouleuterion von Patara einen Ehrensitz in Form einer Exedra in der Mitte der cavea.

 







Für die zeitliche Einordnung des Bouleuterions gibt es außerhalb des archäologischen Befundes keine gesicherten Datierungsmerkmale. Die meisten der bis heute im Bereich des Bouleuterion gefundenen Inschriften sind in die römische Kaiserzeit zu datieren. Das Fehlen von hellenistischen Inschriften und die formalen Unterschiede zu den üblichen Bouleuterien der hellenistischen Zeit genügen aber nicht für die Datierung des Bouleuterions von Patara  erst in der römischen Kaiserzeit. Für eine Datierung in die hellenistische Zeit sprechen, außer Erwägungen zur historischen Entwicklung Lykiens, das Mauerwerk an der Nord- und Westseite des Gebäudes, die Struktur der Keilsteingewölbe, die hufeisenförmige Gestaltung der cavea und die Details der Sitzreihen. Zur hellenistischen Bauphase gehört auch die Pilastergliederung über einem leicht vorspringenden Gesims an den Gebäudeecken, die eine zweite Etage markiert.

Zum Bau des Bouleuterions von Patara war die partielle Einebnung der Felsbänke nötig, die in das Baugelände hineinreichten. Der Fels wurde an der Westseite bis auf eine gerade Ebene abgetragen, auf der das Bouleuterion errichtet wurde. Anschließend verfüllte man den Zwischenraum bis zu den oberen Kanten des hoch ansteigenden Felsens wieder. In den unteren Schichten dieser Verfüllungen wurde nur Keramik aus dem 2. Jh. v. Chr. gefunden. Daneben kamen noch andere archäologische Funde zutage. Besonders erwähnenswert ist eine Terrakottafigur, die in dieselbe Zeit gehört. Deshalb können diese Füllungen für die Errichtung des ersten Baues einen terminus ante quem liefern.

Es wurden vier Bauphasen des Gebäudes festgestellt. Der Grundriss des quergelagerten Rechteckbaus mit hufeisenförmiger cavea und marmorner orchestra wurde schon in der ersten Bauphase angelegt. Der Entwurf zeigt eine symmetrische Anordnung. So sind die überwölbten Räume an der Nord- und Südseite des Gebäudes symmetrisch angeordnet. Die  größten überwölbten Räume an der Nord- und Südseite dienen in dieser Phase als paradoi, die sich zur orchestra hin weiten und öffnen.An diese Grundstruktur schließt sich eine schmale, quer davor gelagerte rechteckige Vorhalle an.

An den Ostseiten der paradoi befindet sich je eine Tür, die kleiner ist als die Eingangstüren in die paradoi. Die Türstürze und einige Steine der Laibungen sind aus wanddicken Blöcken gehauen, trotzdem wurden sie nur an den Innenseiten der paradoi profiliert. Diese Besonderheit ist ein Hinweis darauf, dass der Zugang in die Räume der genannten Vorhalle von den paradoi möglich war. Wahrscheinlich konnte man die Vorhalle auch von der orchestra, durch eine weitere Öffnung betreten. Die schlichte Ausführung der Außenseiten der Türen, die sich von den paradoi zur Vorhalle öffnen, deutet außerdem darauf hin, dass dieser Vorbau in der ersten Bauphase von Außen nicht zugänglich war. Die Mauertechnik der Wände der paradoi unterscheidet sich von der der heutigen Ostmauer. Für eine Erneuerung der Ostwand des Gebäudes spricht die Gestaltung der Türen, die sich darin öffnen. Die profilierten Laibungen dieser Türen wurden anders als an den Haupteingängen an der Nord- und Südseite, aus den aufgeschichteten Blöcken der Wand ausgearbeitet.  

Die Anzahl der Sitzreihen in dieser Phase lässt sich nicht sicher bestimmen. Den erhaltenen  Sitzreihen oberhalb des Ehrenplatzes sind jdoch Hinweise abzulesen, dass die Sitzstufen mindestens bis oberhalb der Mitte der seitlichen Eingangsgewölbe reichten. Wahrscheinlich wurden seitliche schmale Treppenzugänge verwendet, die kurz vor der Westwand nach innen gebogen waren. Dort befindet sich eine breite Öffnung, die einen Zugang zum diazoma bildet. Anhaltspunkte für diese Rekonstruktion sind heute nur im Bereich der Südwand des Bouleuterions erkennbar, da die entsprechenden Teile an der Nordseite  in einer Umbauphase der römischen Kaiserzeit verändert wurde. Doch finden sich auch an der Nordseite des Gebäudes Merkmale, die diese Annahme bestätigen können. Erstens passt ein gefüllter und ungenutzter Zwickel an der Nordwestecke mit dem Rechteckbau nicht gut zusammen. Eine Nutzung muss dieser Raum ursprünglich gehabt haben. Zweitens ist an der Nordwand der Rest eines Fensters erhalten. Die Höhe der Brüstung dieses Fensters liegt knapp oberhalb der letzten Sitzstufe. Wahrscheinlich gehört auch dieses Fenster zur ersten Bauphase des Gebäudes, wurde also gleichzeitig mit dem tiefer liegenden älteren diazoma errichtet.

Das Vorhandensein eines Fensters ist ein Indiz dafür, dass das Bouleuterion in der ersten Bauphase überdacht war. Wenn auch die genaue des Daches unbekannt ist, kann doch gesagt werden, dass es sich wegen des Fehlens von Basen für Dachstützen und Elementen eines Giebels wahrscheinlich um ein freitragendes Walmdach gehandelt hat. Da Spuren weiterer Fenster des ursprünglichen Gebäudes in situ fehlen, ist keine Gewissheit über die Anordnung von weiteren Fenstern und die Lichtverhältnisse im Bouleuterion zu gewinnen. Doch können anhand des erhaltenen Niveaus und der Länge der Mauern an der Nord- und Südseite fünf nebeneinander liegende Fenster rekonstruiert werden. Vor der Südwand wurden mehrere Fensterlaibungssteine gefunden, die die gleichen Laibungsabmessungen wie das Fenster auf der Nordseite aufweisen. Außerdem ist in der Innenseite der justinianischen Stadtmauer ein halber Sohlbankstein vermauert. Das bestätigt, dass es in der Südwand Fenster gab. Von der Ostwand der ersten Phase ist nichts erhalten. Da aber durch die Fenster der Nord- und Südseite nicht genug Licht einfallen würde, schlagen wir vor, Fenster in der Ostwand schon in der ersten Bauphase zu rekonstruieren, und zwar je eine Reihe mit fünf Fesntern für beide Etagen. Weil die Westseite des Bouleuterions die Wetterseite des Gebäudes ist, sind hier keine Fenster zu vermuten.                                    

Der größte Teil der heute vorhandenen Bausubstanz des Bouleuterions stammt wohl aus einer zweiten Bauphase, dem Umbau des Bouleuterions zu einem Odeion. In dieser Phase wurde erstmals der mittlere Bereich der ursprünglichen Ostmauer erneuert oder abgebaut.. An ihrer  Stelle wurde ein Bühnengebäude mit einem pulpitum eingeschoben. Dabei wurde die Eingangssituation durch die beiden Räume unter den Hauptgewölben erheblich gestört. Der Zutritt zur orchestra durch derartig schmale Korridore bei einem an sich aufwendig und raffiniert gestalteten Eingang, wäre für einen Neubau merkwürdig gewesen. Das Muster des Marmorbelages der orchestra nimmt keinen Bezug auf die frons pulpiti. Bei gleichzeitiger Erstellung wäre der Belag passend zur orchestra-Randgestaltung ausgeführt worden. Das Niveau der orchestra stimmt mit dem der Eingangsräume überein, wurde also nicht geändert. Der mittlere Bereich des alten Vorbaus bildet nun die skene. Die seitlichen Räume, die durch Treppen mit der skene verbunden sind, dienten als paraskenia. Der schmale Antritt in den Treppenhäusern sowie der ungewöhnliche Wechsel der Laufbreiten sprechen für einen Einbau der Treppen in einen vorgegebenen Grundriss.
 
In der zweiten Bauphase wurde auch die cavea erweitert. Dabei wurde das obere diazoma der ersten Phase neu gestaltet. Dann wurde die Rundung der Konche, dem Verlauf der obersten halbkreisförmigen Sitzreihe folgend, bis zur Mitte der Nordwand erweitert, so dass die Sitzreihen sich über das Eingangsgewölbe schieben konnten. Beleg für diese Erweiterung der halbrunden Konche ist ein Steinblock in der Mitte der Nordwand. Die Außenseite dieses Steinquaders wurde in rechteckiger Form als Teil der Außenwand gearbeitet, seine innere Seite so gemeißelt, dass er den Verlauf der halbrunden Konche eröffnet. Außerdem wurden an der Ostseite des Gebäudes an den äußeren Enden des alten Vorbaus Treppen eingebaut. Die Zugänge zu den Treppenhäusern haben keine Verbindung zu den bereits existierenden paradoi. Die Besucher, die das Gebäude durch die paradoi an der Nord- und Südseite betraten, wurden auf die orchestra und zum unteren Teil der cavea geführt. Die Treppen dienten als Zugänge nur zur oberen cavea. Schließlich geben die Bogenansätze mit ihren unteren Podesten an den Ecken der Ostwand weitere Hinweise, dass die Anlage der Ostseite des Gebäudes im Gegensatz zur ersten Bauphase erweitert wurde. Es handelt sich hier um eine Säulen- oder Pfeilerhalle, die seitlich von einer Halbbogenkonstruktion flankiert wurde.

Es stellt sich nun die Frage, wann das Bouleuterion zu einem Odeion umgewandelt worden ist. Viele archäologische Funde stammen aus der frühen römischen Kaiserzeit, lassen sich aber nicht sicher der 2. Bauphase zuordnen. Es gibt aber Gründe dafür, dass die Umwandlung des Bouleuterions in ein Odeion erst in der frühen römischen Kaiserzeit stattgefunden hat.  Ein Indiz ist die erwähnte neue Mauertechnik, die für die römische Kaiserzeit charakteristisch ist. Abgesehen von Beispielen in lykischen Nachbarstädten kommt eine derartige Mauertechnik an zahlreichen kaiserzeitlichen Bauten in Patara selbst vor. Ein möglicher Anlass für den Umbau war vielleicht die Schaffung der römischen Provinz Lykien unter Kaiser Claudius. Während der Amtszeit des ersten Statthalters Lykiens, Quintus Veranus (43-48 n. Chr.), wurden in ganz Lykien viele alte Bauten restauriert oder neue errichtet. Für die kaiserliche Baupolitik war Patara wegen seiner Rolle als Hauptstadt des lykischen Bundes und auch als Verwaltungssitz der römischen Provinz ein Ort mit besonderer Bedeutung. So wurde das einzigartige Wegweisermonument in Patara schon in der Regierungszeit des Claudius am Anfang der Hafenstraße errichtet. Somit erfolgte die Umwandlung des Bouleuterions in ein Odeion wahrscheinlich in der Zeit der Baupolitik des Claudius.      

Da in der dritten Bauphase am Grundriss und der Architektur keine großen Änderungen vorgenommen wurden, lässt sie sich als Reparaturphase bezeichnen. Als einen größeren Eingriff kann man nur den Wiederaufbau des Substruktionsgewölbes an der Nordseite nennen. Es wurde nicht in Keilsteintechnik, sondern als ein gegossenes Gewölbe in opus caementitium ausgeführt. Die im Mörtel gefundenen Keramikstücke aus der Mitte des 2. Jhs. n. Chr. liefern für die Errichtung des Gewölbes einen terminus post quem. Die Mörtelproben dieses Gewölbes wurden im Labor analysiert. Sie haben eine andere chemische Zusammensetzung als die ersten Proben, die von der Ostwand und vom Zwickel der Nordwestecke stammten. Dies bestätigt die Annahme einer späteren Bauphase. Die mit Ornamenten geschmückten Türlaibungen an der scaenae frons stammen wahrscheinlich aus der antoninischen Zeit. Die häufige Benutzung des Bohrers und der Verzicht auf eine ins Detail gehende Gliederung sind die stilistischen Charakteristika der verwendeten Ornamentik. Bei den Grabungen wurden noch zahlreiche weitere ornamentierte Architekturfragmente gefunden, die sich aufgrund der gleichen stilistischen Merkmale in diese Zeit datieren lassen. Diese Beobachtungen stützen die Annahme, dass es in der dritten Phase auch an der skene Reparaturen gab.
 
Mehrere Erdbeben hatten ca. 140-143 n. Chr. in den Städten Lykiens, darunter auch in Patara große Zerstörungen verursacht. Nach diesen Erdbeben musste das hellenistische Theater restauriert werden. In der Regierungszeit des Antonius Pius im Jahre 147 n. Chr. wurde es neu eröffnet. Über diese Restaurierung und die Neueröffnung des Theaters berichtet eine lange Inschrift auf der Ostseite des Bühnengebäudes. Außerdem wird in einer anderen Inschrift, die ebenfalls aus dem Theater stammt, hervorgehoben, dass nach diesen Erdbeben auch die Finanzierung einer Stoa vor dem Odeion und die der Aufgänge zur oberen cavea von Tiberius Claudius Flavianus Eudemus übernommen wurde. Doch die in dieser Inschrift genannte stoa und die Aufgänge stammen schon aus der zweiten Bauphase des Bouleuterions. Offenbar waren diese Bereiche des Gebäudes vom Erdbeben betroffen und benötigten eine Restaurierung. Aus der Datierung dieser Inschrift und dem erwähnten großen Erdbeben in Lykien ist ein terminus post quem für die dritte Bauphase des Bouleuterions abzuleiten. Bei dieser Reparaturphase musste auch das durch Erdbeben eingestürzte Dach erneuert werden, wie es die Inschrift für den Architekten Dionysios ausweist .

In der vierten Bauphase hat das Gebäude seine ursprüngliche Funktion verloren, es wurde zu einem Teil der Stadtbefestigung ausgebaut. Das Gebäude wurde wahrscheinlich vorher durch Erdbeben teilweise zerstört und wurde dann als Baumaterial für den Umbau zur Eckbefestigung im Verlauf der Stadtmauer benutzt. Diese radikale Änderung erfolgte in justinianischer Zeit. Der Umbau zu einer zweischaligen Befestigungsmauer machte Verstärkungsarbeiten im inneren und einen Neubau der Südmauer nötig. Außerdem wurden alle Eingänge und Öffnungen des Gebäudes zugemauert und das Innere bis zur Oberkante der Eingangsgewölbe aufgefüllt, so dass kein Zugang in das Gebäude mehr möglich war. Die Erschließung erfolgte wahrscheinlich über die Wehrgänge der Stadtmauer.

Wie aus den Beschreibungen des Baubefundes hervorgeht, handelt es sich beim Bouleuterion von Patara um ein späthellenistisches Bauwerk, das offenbar später als Odeion diente. Ausgehend von den uneinheitlichen Architekturelementen konnte herausgearbeitet werden, dass das Gebäude mit seinem rechteckigen Grundriss und halbrunder cavea schon vor der römischen Kaiserzeit als ein überdachter Versammlungssaal bestand. Diese frühe Architekturform entspricht den hellenistischen Bouleuterien. Wenn man die historischen Quellen und die epigraphischen Belege aus ganz Lykien auswertet, wird deutlich, dass bereits in der hellenistischen Zeit in den lykischen Städten eine boule und ekklesia zu den demokratischen Institutionen gehörten. Die Verwendung des Gebäudes für die Ratsversammlungen beider Gremien in Patara ist daher wahrscheinlich. Ausserdem sind die Texte der im Bereich des Bouleuterions entdeckten Inschriftblöcke für die Benennung des Gebäudes wichtig. Es handelt sich dabei um Beschlüsse des lykischen Bundes. Sie unterstützen auch die Annahme, dass das hier behandelte Versammlungsgebäude als Machtzentrum des in der Hauptstadt Patara stationierten koinon diente.

Literatur:

1] T. Korkut - G. Groshce, Das Bouleuterion von Patara. Versammlungsgebäude des lykischen Bundes, Patara II.1, 2007.

2] T. Korkut – G. Grosche, “Das Bouleuterion von Patara. Ein vorläufiger Bericht über die bisherigen Grabungen”, bkz.: Anadolu’da Doğdu. Festschrift für Fahri Işık zum 60. Geburtstag, 2004, 439-460.

3] T. Korkut, “The Parliament Building of Patara. A Preliminary Report”, 16. International Congress of Classical Archaeology, Boston 23-26 August 2003, (2006), 93-97.

4] F. Işık, Patara. The History and Ruins of the Capital City of Lycian League (2000).

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